Historischer Hintergrund der Stadtgründung
Im klassischen Fall einer Stadtgründung verleiht der Stadtgründer das Stadtrecht und besiegelt es mit einer Urkunde, die datiert ist. In der Gründungsurkunde sind üblicherweise die Rechte und Privilegien der Stadt fixiert z. B. Recht, Markt zu halten, Marktsiedlung mit Mauer zu umgeben, Steuern und Abgaben zu erheben. Ein solches Dokument – eine Stadtgründungsurkunde – ist für Böblingen nicht überliefert. Wir bewegen uns, was die Böblinger Stadtgründung betrifft, also nicht auf urkundlich gesichertem Boden. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass die Stadtgründung von Böblingen in den Jahren nach 1250 erfolgt ist.
Böblingen war Sitz einer Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen geworden. An die Pfalzgrafen erinnert noch heute das Böblinger Stadtwappen mit der dreilatzigen Fahne als Zeichen der Gerichtshoheit dieses mächtigen Geschlechts. Die Pfalzgrafen waren leidenschaftliche Städtegründer, auf sie gehen zahlreiche Städte im deutschen Südwesten zurück, bis hin nach Bregenz und Feldkirch in Vorarlberg. Als Gründer kommt Graf Wilhelm von Tübingen-Böblingen (1214 – 1252) oder sein Sohn Rudolf (1251 – 1271) in Betracht.
Nicht ohne Stolz dürfen wir anmerken, dass die Besiedlung Böblingens und des Böblinger Raumes allerdings sehr viel weiter zurückgeht, und zwar bis in die vor- und frühgeschichtliche Zeit.
Im Mittelalter ließen sich dann hier die Alemannen nieder. Auf sie weist die Endsilbe –ingen im Namen Böblingen. An die alemannische Besiedlung erinnert auch die Sagengestalt des Adeligen Bobilo – wenn es ihn je gegeben hat, muss er so ausgesehen haben, wie der kriegerische Herr unten (siehe Abb.).
Erstmals urkundlich erwähnt ist Böblingen bereits um das Jahr 1100. Im sogenannten Codex Hirsaugiensis werden die Herren von Bebelingen genannt. Das alemannische Siedlungsgefüge haben dann nach 1250 die Pfalzgrafen von Tübingen überformt mit der planmäßigen Stadtanlage in Gestalt eines halben Ovals um den Schlossberg mit Längsachse und Quergassen, was noch heute zu erkennen ist. Das Wirken unserer Stadtgründer lässt sich so bis in die Gegenwart am Stadtbild unserer Altstadt ablesen.

